ESG ist in vielen Unternehmen längst aus der reinen Nachhaltigkeitsabteilung herausgewachsen. Informationen zu Energieverbrauch, Emissionen, Lieferketten, Beschäftigten, Unternehmensführung oder Klimarisiken können Auswirkungen auf Investitionen, Finanzierungsgespräche, Kundenanforderungen und die eigene Position im Markt haben. Damit verändert sich auch der Umgang mit diesen Daten: Statt sie lediglich für einen Bericht zusammenzutragen, können Unternehmen sie zunehmend als Grundlage für Entscheidungen nutzen.

In der Praxis ist genau das jedoch eine Herausforderung. Nachhaltigkeitsinformationen stammen häufig aus verschiedenen Abteilungen, Standorten und IT-Systemen. Einkauf, Personalwesen, Controlling, Produktion und Gebäudemanagement verfügen jeweils über einen Teil der benötigten Informationen. Eine zentrale ESG Software kann deshalb eine wichtige Grundlage schaffen, um Daten strukturiert zusammenzuführen, Verantwortlichkeiten festzulegen und Entwicklungen über längere Zeiträume nachvollziehbar zu machen.

Warum ESG zunehmend eine Managementaufgabe wird

Die drei Buchstaben ESG stehen für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Was zunächst abstrakt klingt, betrifft im Unternehmensalltag sehr konkrete Fragestellungen.

  • Wie entwickelt sich der Energieverbrauch einzelner Standorte?
  • Welche Treibhausgasemissionen entstehen in der eigenen Wertschöpfung?
  • Welche Risiken bestehen innerhalb der Lieferkette?
  • Welche Ziele wurden festgelegt und wie weit ist deren Umsetzung?
  • Wer ist innerhalb des Unternehmens für einzelne Kennzahlen verantwortlich?
  • Welche Informationen können gegenüber Banken, Kunden oder Geschäftspartnern belastbar nachgewiesen werden?

Damit wird ESG zunehmend zu einer Frage der Unternehmenssteuerung. Ein Unternehmen, das seine relevanten Kennzahlen kennt, kann Entwicklungen früher erkennen und Maßnahmen wesentlich gezielter planen.

Das Excel-Problem: Wenn ESG-Daten überall und nirgends liegen

Gerade beim Einstieg beginnen viele Unternehmen mit Tabellen. Das ist nachvollziehbar: Excel ist vorhanden, Mitarbeitende kennen die Software und erste Kennzahlen lassen sich schnell zusammentragen.

Mit wachsendem Umfang entstehen jedoch typische Probleme. Unterschiedliche Dateiversionen werden per E-Mail verschickt, Zuständigkeiten sind nicht eindeutig dokumentiert und identische Werte müssen mehrfach eingegeben werden. Ändert sich eine Zahl, ist nicht immer klar, in welchen Tabellen sie ebenfalls angepasst werden muss.

Besonders schwierig wird es bei Unternehmen mit mehreren Standorten oder Gesellschaften. Während beispielsweise der Energieverbrauch eines Standorts monatlich vorliegt, werden andere Informationen nur jährlich erhoben. Wieder andere Daten stammen aus ERP-Systemen, dem Einkauf oder externen Quellen.

Aus einer zunächst überschaubaren Tabelle entsteht so schnell eine komplexe Datenlandschaft.

Zentrale Daten schaffen eine gemeinsame Arbeitsgrundlage

Ein digitales ESG-Management verfolgt deshalb grundsätzlich denselben Ansatz wie viele andere Bereiche der Unternehmenssteuerung: Informationen werden zentral gesammelt, strukturiert und ausgewertet.

Eine solche Datenbasis kann beispielsweise ermöglichen, Kennzahlen einzelnen Standorten, Gesellschaften oder Verantwortlichen zuzuordnen. Ebenso lassen sich Ziele definieren und deren Entwicklung regelmäßig überprüfen.

Bereich Typische Daten Mögliche Verwendung
Umwelt Energie, CO₂, Wasser, Materialien Bilanzierung und Zielkontrolle
Soziales Beschäftigte, Arbeitsschutz, Weiterbildung Entwicklung sozialer Kennzahlen
Governance Richtlinien, Verantwortlichkeiten, Kontrollprozesse Nachweis der Unternehmensführung
Lieferkette Lieferanten- und Produktinformationen Risikoanalyse und Beschaffung
Standorte Verbrauchs- und Betriebsdaten Vergleich und Maßnahmenplanung

Der eigentliche wirtschaftliche Nutzen entsteht jedoch nicht allein dadurch, dass Informationen digital gespeichert werden. Entscheidend ist, welche Daten überhaupt benötigt werden und welche Erkenntnisse daraus abgeleitet werden können.

Vor der Software kommt die Frage: Was ist für das Unternehmen relevant?

Ein Industrieunternehmen hat andere Schwerpunkte als ein Handelsunternehmen oder ein Dienstleister. Während in der Produktion beispielsweise Energie, Materialien und Emissionen eine besonders große Rolle spielen können, stehen in anderen Geschäftsmodellen eher Lieferketten, Beschäftigte oder Governance-Themen im Mittelpunkt.

Unternehmen sollten deshalb vermeiden, möglichst viele Kennzahlen nur deshalb zu erfassen, weil sie theoretisch verfügbar sind. Eine überdimensionierte Datensammlung erzeugt zusätzlichen Aufwand, ohne automatisch bessere Entscheidungen zu ermöglichen.

Hier kann eine professionelle ESG Beratung helfen, relevante Themen zu identifizieren, bestehende Datenbestände zu prüfen und aus regulatorischen sowie unternehmerischen Anforderungen konkrete Prozesse abzuleiten.

Eine sinnvolle Reihenfolge besteht beispielsweise darin, zunächst den aktuellen Stand zu analysieren und anschließend festzulegen, welche Themen wesentlich sind. Danach können Datenlücken, Zuständigkeiten und erforderliche Maßnahmen bestimmt werden.

ESG sollte nicht als paralleles System entstehen

Ein häufiger Fehler besteht darin, Nachhaltigkeitsmanagement als zusätzliche Struktur neben dem normalen Geschäftsbetrieb aufzubauen. Dann existieren einerseits Unternehmensziele, Budgets und operative Kennzahlen und andererseits separate ESG-Ziele.

Langfristig ist eine stärkere Verzahnung sinnvoller. Wenn beispielsweise der Energieverbrauch einer Produktionsanlage reduziert werden soll, betrifft das gleichzeitig Kosten, Investitionsentscheidungen, Wartung und Umweltkennzahlen. Ähnliches gilt für Materialeinsatz, Lieferantenwahl oder Personalentwicklung.

ESG-Themen können deshalb besonders dann relevant für die Unternehmensführung werden, wenn sie gemeinsam mit klassischen wirtschaftlichen Kennzahlen betrachtet werden.

Von einzelnen Maßnahmen zur ESG-Strategie

Viele Unternehmen haben bereits zahlreiche Aktivitäten umgesetzt, ohne diese ausdrücklich als ESG-Maßnahmen zu bezeichnen. Photovoltaikanlagen werden installiert, Beleuchtung wird modernisiert, Lieferanten werden geprüft, Weiterbildungsprogramme aufgebaut oder interne Compliance-Regeln verbessert.

Das Problem liegt dann weniger in fehlenden Maßnahmen als in der fehlenden Verbindung zwischen ihnen.

Eine strukturierte ESG Strategie kann aus einzelnen Aktivitäten eine längerfristige Richtung entwickeln. Dazu gehört beispielsweise, den Ausgangszustand zu bestimmen, relevante Handlungsfelder zu priorisieren, konkrete Ziele zu formulieren und messbare Kennzahlen zuzuordnen.

Damit verändert sich auch die interne Diskussion. Statt lediglich zu fragen, welche Nachhaltigkeitsmaßnahme als Nächstes umgesetzt werden soll, können Unternehmen untersuchen, welche Maßnahme den größten Beitrag zu den festgelegten Unternehmenszielen leistet.

Fünf Fragen für den Einstieg

Unternehmen müssen nicht sofort ein umfassendes ESG-System aufbauen. Bereits einige grundlegende Fragen zeigen häufig, wie gut die vorhandenen Strukturen funktionieren:

  1. Welche ESG-Daten erfassen wir bereits?
    Viele relevante Informationen existieren bereits im Controlling, Einkauf, Personalwesen oder Gebäudemanagement.
  2. Wo befinden sich diese Informationen?
    Sind sie zentral verfügbar oder über verschiedene Tabellen, Systeme und Abteilungen verteilt?
  3. Wer trägt die Verantwortung?
    Für jede zentrale Kennzahl sollte nachvollziehbar sein, wer Daten liefert und kontrolliert.
  4. Welche Ziele verfolgen wir?
    Datenerhebung ohne konkrete Zielsetzung erzeugt schnell Verwaltungsaufwand ohne ausreichenden Nutzen.
  5. Wie überprüfen wir Fortschritte?
    Ziele sollten mit Kennzahlen und Zeitpunkten verbunden werden, damit Entwicklungen messbar bleiben.

Auch Mittelständler können von strukturierten ESG-Daten profitieren

ESG wird häufig mit Großkonzernen und umfangreichen Nachhaltigkeitsberichten verbunden. Für mittelständische Unternehmen kann eine strukturierte Datenbasis jedoch ebenfalls interessant sein.

Informationen können beispielsweise von größeren Kunden innerhalb einer Lieferkette abgefragt werden. Banken und Investoren beschäftigen sich ebenfalls mit Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken. Gleichzeitig können Verbrauchs- und Emissionsdaten Hinweise darauf geben, wo Kosten reduziert oder Prozesse verändert werden können.

Für den Mittelstand ist dabei ein pragmatischer Ansatz besonders wichtig. Nicht jede denkbare Kennzahl muss sofort erhoben und nicht jeder Prozess gleichzeitig digitalisiert werden. Sinnvoller ist es häufig, mit den wesentlichen Themen zu beginnen und das System anschließend schrittweise auszubauen.

Automatisierung reduziert wiederkehrende Arbeit

Ein weiterer Vorteil digitaler Systeme entsteht dort, wo vorhandene Daten automatisch übernommen werden können. Informationen aus ERP-, Finanz- oder anderen Unternehmenssystemen müssen dann nicht immer wieder manuell übertragen werden.

Das spart nicht nur Arbeitszeit. Automatisierte Datenflüsse können auch Fehler reduzieren, die beim Kopieren, Zusammenführen oder Aktualisieren großer Tabellen entstehen.

Gleichzeitig bleiben klare Kontrollprozesse notwendig. Auch ein digitales System kann nur mit Daten arbeiten, deren Herkunft und Qualität nachvollziehbar sind.

ESG-Daten werden vor allem dann wertvoll, wenn Entscheidungen daraus entstehen

Die eigentliche Herausforderung des ESG-Managements liegt daher nicht im Sammeln möglichst vieler Informationen. Unternehmen benötigen einen nachvollziehbaren Weg von der Datenerfassung bis zur Entscheidung.

Dieser lässt sich vereinfacht in vier Ebenen aufteilen:

Daten → Kennzahlen → Ziele → Maßnahmen

Ein gemessener Energieverbrauch ist zunächst nur ein Datenpunkt. Erst im Vergleich mit Produktionsmenge, Vorjahreswert oder Standort entsteht eine aussagekräftige Kennzahl. Daraus kann ein Ziel abgeleitet werden, das anschließend konkrete Investitionen oder organisatorische Veränderungen auslöst.

Genau an diesem Punkt kann sich ESG von einer Reporting-Aufgabe zu einem Bestandteil moderner Unternehmenssteuerung entwickeln.

Fazit: Technik, Fachwissen und klare Ziele gehören zusammen

Professionelles ESG-Management besteht nicht nur aus einem Nachhaltigkeitsbericht und ebenso wenig allein aus einer Softwarelösung. Unternehmen benötigen eine belastbare Datenbasis, klare Verantwortlichkeiten und eine Vorstellung davon, welche Ziele sie tatsächlich erreichen möchten.

Digitale Systeme können die Erhebung, Verwaltung und Auswertung erheblich vereinfachen. Beratung kann dabei helfen, relevante Themen und Anforderungen richtig einzuordnen. Eine übergeordnete Ausrichtung verbindet schließlich Kennzahlen und einzelne Maßnahmen mit den langfristigen Zielen des Unternehmens.

Wer diese drei Ebenen miteinander verbindet, schafft aus ESG-Daten mehr als eine Dokumentationspflicht: eine zusätzliche Informationsgrundlage für unternehmerische Entscheidungen.